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Kunst im Bundeshaus

Die Werke großer internationaler Künstler sind überall im World Conference Center Bonn sichtbar. Unterschiedliche Stilrichtungen ergeben ein mannigfaltiges und doch in sich stimmiges Bild und prägen die Atmosphäre des World Conference Center Bonn als Gesamtkunstwerk aus Architektur, Design und Kunst.

Vogelnesttreppe

Mit der Gestaltung der so genannten Vogelnesttreppe sorgte der Architekt Günter Behnisch für einen augenfälligen Blickfang. Am Aufgang zum Präsidialbereich war zunächst ein normales Treppengeländer vorgesehen, doch hatte dies in den Augen der Planer eine zu wenig strukturierende Wirkung.  Daher ließ das Architektenteam um Günter Behnisch an dieser Stelle aus ineinander verkeilten Holzlatten ein skulptural wirkendes Geländer konstruieren. Dieses verbindet dadurch, dass es die Form eines Vogelnestes in einer Baumkrone aufnimmt, künstlerisch den alten Baumbestand der umgebenden Parklandschaft mit dem Inneren des Gebäudes und dem Bundesadler im Plenarsaal. Die Einbeziehung der äußeren Welt in die Gestaltung des Gebäudes und die Detailverliebtheit, die sich wiederholt im Bundeshaus reflektiert, machen das Gebäude zu einer modernen Interpretation des Barock.

Informations- und Leitsystem

In das von Glas dominierte Plenargebäude hat das Graphikbüro Baumann & Baumann ein dezentes Informations- und Leitsystem integriert, welches über vier Jahre hinweg entwickelt wurde. Es verbindet in interessanter und auffälliger Art und Weise Information und Kunst. Barbara und Gerd Baumanns Auftrag lautete, das „Sichtbare unsichtbar zu machen“ und so entwickelten sie eine Orientierungshilfe, die innerhalb des Plenarbereichs zu wahren Entdeckungsreisen einlädt. Das unaufdringlich wirkende Leitsystem ist auf die verschiedenen Glasflächen des Gebäudes aufgebracht. Zu diesem Zweck wurde eine eigene Designlinie entwickelt, die jeweils die architektonische Situation des Umfelds aufnimmt, um die Glasflächen hervorzuheben und sichtbar zu machen. Neben verschiedenen graphischen Elementen wie Punkte und Linien sticht besonders die Darstellung eines in der Flugphase befindlichen Seeadlers – in Anlehnung an das deutsche Staatswappentier – hervor. Auch die in Blockschrift gesetzten Artikel des Grundgesetzes sowie Werke von Ernst Jandl, Eugen Gomringer oder Kurt Marti sind so im und auf dem Gebäude verewigt.

Gemälde, Skulpturen und Installationen

Das großformatige Gemälde von Sam Francis, die Werke von Mark di Suvero, Rebecca Horn, Joseph Beuys und Hermann Glöckner sowie die Gestaltung des Restaurants durch Nicola de Maria repräsentieren Künstler, die in der internationalen Kunstszene Anerkennung gefunden haben. Sie setzen - ihren starken Künstlerpersönlichkeiten entsprechend - ganz unterschiedliche Akzente: von der heiteren stimulierenden Farbigkeit des Werkes Nicola de Marias über die markante Zeichenhaftigkeit der Stahlplastik Mark di Suveros bis hin zu der kantigen Sprödigkeit der Skulptur Hermann Glöckners. Alle bilden zusammen konzeptionell eine künstlerische Umfassung des Plenarsaals und setzen sich auf unterschiedliche Weise – einander verbunden und doch in selbstbewusster Singularität – mit dem besonderen Ort ihrer Aufstellung und der außergewöhnlichen Architektur von Günter Behnisch auseinander. Eines haben die hier ausgestellten Kunstwerke gemeinsam: Sie prägen und heben die künstlerisch-niveauvolle Atmosphäre ihrer Umgebung.


Aus: Deutscher Bundestag, Referat Öffentlichkeitsarbeit (Hrsg.): Kunst und Design im Plenarbereich, Bonn 1999.